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Das Petermännchen
In den riesigen Kellergewölben des Schweriner Schlosses hat das sagenumwobene Petermännchen, ein kleiner und
gutmütiger, aber finster dreinblickender Kobold und Hausgeist sein Zuhause. Wie man aus alten Berichten erfahren kann,
sind die geheimnisvollen Gewölbe mit dem Petersberg in Pinnow über lange und dunkle Gänge verbunden, wo sich
das Petermännchen als Schmied betätigte.
Als Hüter und Wächter des Schlosses belohnte die Zwergengestalt
die Ehrlichen und Guten, während die Diebe und fremde Eindringlinge mit Plagen, Späßen und durch nächtliches
Poltern bestraft oder vertrieben wurden. Ausgerüstet mit Laterne, Schwert und Schlüsselbund weckte es die Soldaten,
die bei ihrer Nachtwache eingeschlafen waren, um sie auf diese Weise vor Bestrafung zu schützen.
Sagen zum Petermännchen
Der Petersberg
Dort, wo heute das Schweriner Schloss aufragt, stand einst die Tempelburg eines Heidengottes, der weithin
in der ganzen Umgebung verehrt wurde. Als dann die Boten des Christenglaubens durchs Land zogen, floh der Heidengott in die
Tiefen des Weltmeeres, ließ aber seine Diener, die Geister, zurück. Doch das Heiligtum am Schweriner See zerfiel,
und nun wichen auch die getreuen Helfer ihres heidnischen Herren und nahmen ihren Wohnsitz im Petersberg. Das Petermännchen
war das einzige, das auf seinem alten Platz ausharrte.
Das Männchen zeigte sich den Menschen in den verschiedensten Gestalten. Manchmal erschien es als alter Mann mit
runzeligem Gesicht, dessen weißer, wallender Bart bis zur Brust reichte. Sein langer schwarzer Rock mit engen Ärmeln
ging bis zu den Füßen. Um den Hals hatte es einen weißen Kragen geschlungen, und auf dem Kopf saß eine runde
Kappe.
Ein anderes Mal erschien das Petermännchen als mittelalterlicher Reitersmann mit flottem Schnurrbart. Es trug dann ein
kurzes Wams und hohe Reiterstiefel mit Sporen, einen Degen und einen Federhut, und ein Schlüsselbund klirrte an seinem
Gürtel. Das Männchen wechselte gern die Farbe seiner Kleidung: meist ging es im grauen Gewande umher; gab es Krieg,
so war es mit einem roten Kleid angetan; starb jemand, so sah man es kohlschwarz gekleidet.
Der Feldherr Wallenstein
Doch so sehr das Petermännchen in solchen Äußerlichkeiten Abwechslung liebte, blieb es
doch stets sich selbst und seinem innersten Wesen gleich. Es diente seinem SchlossHerren mit unermüdlicher Treue, ließ
fremden Eindringlingen seinen Unwillen fühlen, strafte schlechte Menschen und belohnte die guten.
Dass dem Petermännchen die unrechtmäßigen Herren zuwider waren, erfuhr Wallenstein. Als dieser auf dem Schweriner
Schloss eingetroffen war und alles besichtigt hatte, gefiel es ihm so gut, dass er sich dort häuslich einzurichten gedachte.
Aber er hatte nicht mit der Feindseligkeit des Petermännchens gerechnet. Sobald sich der große Feldherr ermüdet
zur nächtlichen Ruhe begeben hatte, plagte und zwickte ihn der Hausgeist, die ganze Nacht hindurch. Bald warf er die
Stühle um, bald zog er dem Schläfer die Bettdecke weg und fegte damit im Zimmer herum. Der ohnehin sehr
abergläubische Herzog befürchtete ein Unglück und rief seinen Sterndeuter und Vertrauten Seni. Obwohl dieser
den FeldHerren beruhigte, so ließ sich der Friedländer doch sein Nachtlager in einem andern Flügel des Schlosses
bereiten.
In der nächsten Nacht erwachte Wallenstein aus tiefem Schlaf. Im Gemach ließ sich ein gleichmäßig
schnarrendes Geräusch hören. Das Mondlicht flutete in den Raum; bei dessen unsicherem Schimmer gewahrte der
erschrockene Herzog, wie sich das Petermännchen ihm mit drohend gezücktem Schwert näherte. Wallenstein streckte
wie zum Schutz der Erscheinung den Arm entgegen. In demselben Augenblick löste sich das große Bild des
rechtmäßigen Herzogs, das über dem Bett an der Wand hing, vom Nagel los und begrub den FeldHerren unter sich.
Petermännchen aber verschwand hohnlachend. Wallensteins Diener, durch den Angstruf seines Herren aufgeschreckt, stürzte
herein und befreite seinen Herren von der Last des Bildes. Schon am nächsten Tag verließ Wallenstein Schwerin und betrat
das verwünschte Schloss nie wieder.
Der wahre Dieb
Schlechtigkeiten ließ das Petermännchen auf keinen Fall ungestraft hingehen. Einmal wurde im
Schloss ein bedeutender Diebstahl an Schmucksachen verübt. Der Verdacht fiel auf einen alten Diener, der sofort ins
Gefängnis geworfen wurde. Nur Petermännchen kannte den wahren Täter. Er besuchte daher den unschuldigen
Häftling, tröstete ihn und brachte ihm gute Speisen und warme Decken. Dem Dieb aber setzte er übel zu und riss
von den gestohlenen Sachen ein Stück nach dem andern aus der Tasche und streute sie hinter ihm her, so dass andere Leute
es sahen und die Wahrheit bald ans Tageslicht kam.
Der Gardist
Dass das Petermännchen Standhaftigkeit, Fleiß und Treue belohnte, erfuhr auch ein junger
Gardist, der in den inneren fürstlichen Gemächern Wache hielt. Mit großen Augen betrachtete der arme Soldat die
vielen Kostbarkeiten, die in den Räumen herumstanden. Gern hätte er sich das eine oder andere Stück angeeignet.
Das Petermännchen beschloss, die Treue und Ehrlichkeit des jungen Kriegers einmal auf die Probe zu stellen. Der Kleine
erschien daher plötzlich in dem Zimmer und redete dem Soldaten, der zunächst nicht wenig erschrak, mit eindringlichen
Worten zu, doch einige der schönen Sachen in die Tasche zu stecken und mit sich nach Hause zu nehmen; niemand werde es
merken. Der junge Mann aber weigerte sich entschieden und war trotz allem Zureden nicht zu bewegen, das Geringste zu entwenden,
vielmehr forderte er seinen Versucher auf, ihn in Ruhe zu lassen und sich zu entfernen. Das Petermännchen freute sich
herzlich über die Festigkeit und Treue des Soldaten; es belohnte ihn deshalb und bat ihn zugleich, sobald er abgelöst
sei, ihm einen Gefallen zu erweisen; dabei sei gar keine Gefahr zu befürchten, wohl aber ein schöner Verdienst zu
erwarten. Der Soldat willigte ein und trat, sobald er frei war, mit seinem merkwürdigen Begleiter eine seltsame Wanderung an.
Der Zwerg führte ihn durch mancherlei unterirdische Gänge und Gemächer, die er mit einem Schlüssel
öffnete, den er an seinem Gürtel trug. Zuletzt machten sie in einem großen Saal halt. Hier reichte das
Petermännchen dem Gardisten ein altes Schwert und sprach zu ihm: "Sieh hier dieses Schwert! Ein Ahnherr des
Wendenfürsten Niklot stieß es in blinder Wut einem alten Priester des Christengottes ins Herz. Unschuldiges Blut
klebt an der Waffe und wird so lange dran haften, bis es der Hand eines reinen Christenjünglings gelingt, die Klinge vom
Blut zu reinigen. Du weißt ja mit Waffen umzugehen; mach mir das Schwert blank, ganz blank; dort auf dem Tisch findest du
alles, was zu deinem Werk erforderlich ist."
Der junge Mann machte sich sogleich an die ihm vertraute Arbeit, die ihm auch vortrefflich von der Hand ging; denn bald blitzte
und funkelte die alte Waffe, dass es eine rechte Freude war. Nur ganz unten an der Spitze des Schwertes haftete noch ein
Rostflecken. Deshalb fing der Soldat aufs neue zu putzen an, um auch diesen zu beseitigen. Mit sichtlicher Freude sah das kleine
Männchen dem eifrigen Bemühen des Jünglings zu, dem es schließlich gelang, auch den letzten Flecken bis auf einen
winzigen Punkt zu entfernen.
"Nur noch eine kleine Weile, mein Sohn!" rief das Petermännchen aufmunternd dem Krieger zu. - Plötzlich
krachte ein gewaltiger Donnerschlag, der Geist versank in die Erde, dem Soldaten aber schwanden die Sinne. Als er später,
wie aus einem Traum erwachend, wieder zu sich kam, befand er sich allein wohl und gesund im Schlosshof. In seiner Tasche aber
fühlte er etwas Schweres; es waren drei Stangen reinen Goldes, der Lohn des guten Petermännchens für den ihm
geleisteten Dienst.
Öffnungszeiten des Schlossmuseums
Das Schweriner Schloss - Innenansichten
Das Schweriner Schloss - Außenansichten
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